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Ergebnisse

Auswertung der Umfragen und Interviews

seit Februar 2018
[it's a work in progress]

Eine Bestandsaufnahme

Aktuelle Beiträge aus der Praxis

Das Thema stieß besonders bei der Gruppe der TV- und Filmkomponisten auf großes Interesse. In mehreren Umfragen gaben junge Berufseinsteiger sowie arrivierte Komponisten bis hin zu Emmy-Award-Winners oder Nominees Einblicke in die aktuellen Arbeitsweisen mit virtuellen Instrumenten und DAWs. Einige TV- und Filmkomponisten erklärten sich für weitere Nachfragen bereit. Klassische zeitgenössische Komponisten waren nur in geringer Zahl beteiligt.


Weitere Ergebnisse stammen aus Umfragen und Interviews mit Dozenten und Tutoren im Bereich FilmScoring (Ausbildungsstätten für Filmmusik, kommerziell geführte Fortbildungseinrichtungen, einzelne spezialisierte Tutoren).


Zuletzt gab es Umfragen bzw. Interviews mit Entwicklern von DAWs, Notationsprogrammen, Softwareinstrumenten und weiteren Tools. Auch hier gab es großes Interesse an der Thematik; allerdings standen wegen Terminverpflichtungen, internationalen Messen etc. leider nicht immer die favorisierten Gesprächspartner zur Verfügung.

Die Auswertung der Ergebnisse orientiert sich am Workflow innerhalb der Filmmusikproduktion. Einen festgelegten Standard gibt es nicht. Je nach Produktionstyp haben sich bestimmte Abläufe bewährt. Drei Aspekte tauchen so gut wie immer auf: Die Sammlung von Einfälle, die Aufbereitung von Vorschlägen für die Abstimmung mit dem Regisseur (mockups), die eigentliche Produktionsphase nach Festlegung der Cues. Ein mögliches Szenario beschreiben die Autoren James Bellamy, Paul Thomson und Christian Henson (engl.).

info

Virtuelle Instrumente kommen besonders häufig bei TV-, Film- oder Gamemusic-Komponisten zum Einsatz. Mit relativ geringem technischen Aufwand kann man heute Musik, Klang oder Geräusch zum bewegten Bild gestalten. Die oft schon recht realistisch klingenden Resultate können dann zeitnah als Mockups einem Regisseur oder Produzenten präsentiert werden und danach je nach Budget im Studio oder von den Komponisten in Eigenregie produziert werden. Der Einsatz von Softwareinstrumenten in Verbindung mit DAW (Digital Audioworkstation) kann dabei helfen, Zeit einzusparen und das Budget zu schonen. Fast alle befragten Komponisten ließen durchleuchten, wie knapp in der Regel die zur Verfügung stehende Zeit ist und wie gut die Produktionstools aufeinander abgestimmt sein müssen.

Stilistik und musikalisches Material wurden in diesem Projekt nicht beurteilt. 

Einige Teilnehmer legten Wert auf Anonymität – Zitate mit Namensnennung wurden von den jeweiligen Personen autorisiert.

Die Informationen auf diesen Internetseiten setzen Grundlagenwissen zu folgenden Bereichen voraus: 
Filmmusikproduktion, Kompositions- und Arrangementtechniken, Akustik, Instrumentation bzw. Orchestration, Studio- und Aufnahmetechnik.

music from speakers

"Der Klang, um den es hier geht, kommt doch immer aus Lautsprechern"

Gemeint sind Lautsprecher, die sich z.B. für die Produktion im Studio eignen müssen, Lautsprecher für Kinosäle, Lautsprecher für das private Heimkino oder das TV-Gerät, Lautsprecher an der HIFI-Anlage oder im Kopfhörer. Diese noch unvollständige Auflistung zeigt, wie vielfältig die technischen Voraussetzungen sein müssen, um möglichst realistische Klangbilder in den jeweiligen Lautsprechertypen zu erzeugen.

Wer Musik, Klang oder Geräusch für Lautsprecher produziert, muss sich mit dem Phänomen Schallerzeugung auskennen. Akustik, Studio- und Aufnahmetechnik werden in der Regel bei der Ausbildung an Filmmusikhochschulen oder entsprechenden Institutionen angeboten. Außerdem gibt es auf dem freien Markt professionelle Fortbildungsangebote zu diesen Bereichen. Self-made-Komponisten sollten auf jeden Fall die Finger von der Methode trial & error lassen – die Defizite hört man!

„Da werden hochwertigste Mikrofone von Schoeps, Neumann usw. verwendet, ideale Aufnahmeverhältnisse geschaffen und manche Produktionen tönen damit, als hätte man sie mit einem schlechten MIDI-Modul aus den 80er Jahren produziert.“  [Tutor& Studioleiter]

Filmmusik ist nur ein Bestandteil des Filmtons: weitere Elemente, die die Filmmusik auch überlagern sind Hintergrundgeräusche, Soundeffekte und Sprache. Über den finalen Sound entscheiden nicht die Filmkomponisten. Nicht selten legen Regisseure in einem späten Stadium der Fertigstellung noch einmal „Hand an“: vorsichtig ausgedrückt - ein Prozess mit vielen Beteiligten und Variablen

Die erste Phase



Ideen sammeln, experimentieren, usw.

"Kreativität auf Knopfdruck?" 

Komponisten lassen sich ungern auf bestimmte Abläufe im Kreativprozess festlegen.

„Wie“ Komponisten zu ihren Einfällen kommen, wurde in diesem Projekt zwar nicht explizit abgefragt. In den Antworten fanden sich jedoch zahlreiche Hinweise: bei dem Einen passiert „das“ direkt im Kopf, manche bevorzugen die Arbeit auf Notenpapier, andere probieren am (akustischen) Instrument, Keyboard oder experimentieren von Anfang im Sequencer.

Es wurde differenziert, je nach dem, um was für eine Art von Produktion es sich handelte: z.B. ausschließliche Verwendung von Softwareinstrumenten, Hybrid-Produktion oder Studioproduktion mit akustischen Instrumenten, Ensembles oder Orchester.

Was wird beim "Komponieren" bevorzugt?

Digital Audio Workstation

80
%

Notationssoftware

10
%

Papier & Stift

5
%

Sonstiges

5
%

Gründe dafür:

Die beliebteste Arbeitsoberfläche beim Komponieren ist die DAW.

Die folgenden Aussagen treffen vor allem auf TV- und Filmkomponisten der jüngeren Generation zu, die die Musik am Ende selbst produzieren. Es gab unterschiedliche Präferenzen bei Betriebssystemen und Produkten; Begründungen hierfür hatten mit der persönlichen Arbeitsweise oder bestimmten technischen Features zu tun. Einige Befragte gaben aber auch an, dass sie zum Teil mit mehreren Programmen für entsprechende Arbeitssituationen arbeiten.

Auch wenn es viele Anregungen für künftige Updates sowie Sonderwünsche für mögliche Weiterentwicklungen gab, wurden die aktuellen technischen Fähigkeiten der DAWs insgesamt als sehr gut eingestuft. Häufige Argumente für die Verwendung der DAW in diesem frühen Stadium der Filmmusikproduktion waren u.a.:


... Synchronisation zum Film

... problemlose Einbeziehung von virtuellen Instrumenten

... Möglichkeit, auf die wichtigsten Parameter zugreifen zu können

... Möglichkeit, von Anfang an mit dem Produktionstool zu arbeiten.

Die Zahl der TV- und Filmkomponisten, die in dieser Phase der Filmmusikproduktion mit Notationsprogrammen arbeiten, ist deutlich geringer.  

Argumente für den Einsatz von Notationsprogrammen sind z.B., dass Komponisten die Notationsoberfläche meist recht vertraut ist und sie die übersichtliche Darstellung gerade für spätere Studioproduktionen mit Instrumentalisten, Ensembles oder Orchestern favorisieren. Manche gaben auch an, dass sie nicht einmal die doppelte Arbeit scheuen, die sie für die spätere Produktion mit einer DAW aufwenden müssten. Viele Befragte äußerten deswegen den Wunsch nach Verbesserungen in der Zusammenarbeit zwischen Notationsprogrammen und DAWs. Einige Hersteller arbeiten bereits daran – mit unterschiedlichen Ansätzen. Die Komponisten müssen sich noch gedulden!

Diese Gruppe von Komponisten verwendet für ihre ersten Ideen neben programmeigenen Sound Libraries auch Produkte von Drittanbietern (Plugins), die man dann ebenfalls zusammen mit DAWs nutzen kann. Dazu liefern manche Soundproduzenten passende Soundsets oder man erwirbt Soundsets von speziellen Anbietern und erspart sich die aufwändige Programmierarbeit.

Die Kritiker dieser Arbeitsweise bemängeln vor allem den Mehraufwand an Zeit durch die Verwendung zweier unterschiedlicher Oberflächen sowie die mangelnden Eingriffsmöglichkeiten bei der Klangbearbeitung, obwohl es auch in dieser Hinsicht von Herstellerseite neue Entwicklungen gibt.

Der Einsatz der Notations-Editoren innerhalb von DAWs spielte in dieser Phase keine Rolle.


Einige wenige Komponisten legten in dieser Phase großen Wert auf die Arbeit mit Notenpapier und Stift. Das waren entweder (renommierte) Komponisten, die ihre Arbeit nicht alleine ausarbeiten und produzieren mussten oder Komponisten, die besondere klangliche Phänomene weder auf der Notationsoberfläche noch in der DAW darstellen konnten.

Die nächste Phase


Demos produzieren, Mockups erstellen, etc.

"Es ist ein ständiger Prozess, d.h. ein bestehendes Setup wird permanent weiterentwickelt."

Für die Abstimmung mit den Regisseuren sind fast immer Demos oder mockups erforderlich. Auch in dieser Phase der Filmmusikproduktion gibt es Unterschiede in der Arbeitsweise. Während z.B. einige Komponisten mit Synthesizerklängen arbeiten, binden andere bereits Audioaufnahmen mit Gesang oder anderen Instrumenten ein.

TV- und Filmkomponisten gestalten Demos bevorzugt mit DAWs und Softwareinstrumenten. Als Gründe werden vor allem Zeitersparnis sowie Flexibiltät in der Klangauswahl und -gestaltung genannt. Oft können Komponisten auch bereits erstellte Templates in modifizierter Art weiterverwenden.

Komponisten, die Demos für spätere Studioproduktionen mit klassischen Orchesterinstrumenten herstellen, verwenden gerne Notationsprogramme im Zusammenspiel mit Orchesterbibliotheken. Auch hier spielt der Faktor Zeit eine wichtige Rolle, zumal Partitur und Stimmen für die Studioproduktion dann schon in Arbeit sind. Komponisten, die diese Methode favorisieren, arbeiten zum Teil mit Templates oder Setups für bestimmte Besetzungen, die sie immer weiter verbessern oder modifizieren. Die Klangergebnisse reichen auch ohne große Nacharbeitung für Demozwecke aus. 

Die Produktionsphase



(zum Teil in weitere Prozesse unterteilt)

Vorbemerkung:

Die Umfragen ergaben, dass TV- und Filmkomponisten auch in dieser Phase der Filmmusikproduktion DAWs bevorzugen. Verschiedene Hersteller arbeiten an der verbesserten Integration von Notationsprogrammen in digitale Audioworkstations, da viele Musikschaffende nicht auf ein möglichst perfektes Notenbild verzichten wollen. Notationseditoren in DAWs werden von den befragten TV- und Filmkomponisten aber nicht favorisiert. Wer Partituren und Stimmenmaterial benötigt, greift zum favorisierten Notationsprogramm, auch wenn er die doppelte Arbeit hat. Der Import von Partituren aus Notationsprogrammen über MIDI oder XML in DAWs ist möglich, erfordert aber Nacharbeit. Außerdem ist das Material für die weitere Produktion höchstens ein Anfang. Künftig soll es möglich sein, ganze Templates inklusive virtuelle Instrumente in DAWs zu importieren. 

Hersteller verwiesen in Interviews darauf, dass ihre Produkte (DAW und Notationssoftware) nicht nur für TV- und Filmkomponisten entwickelt werden. Der Kreis der Anwender ist erheblich größer und die Wünsche in den Foren sind immens.


Die Instrumente

Das Projekt konzentriert sich auf virtuelle Orchesterinstrumente
(eine mögliche Auswahl)
Einsteiger Bibliotheken:
"ganzes Orchester"
Preis: unter 100 EUR

Für ein Demo mag das ausreichen. Manche Komponisten favorisieren solche Prdukte sogar für die ersten Phasen der Produktion.

Spezielle Pakete bis komplette Orchesterbibliotheken
Preise: ca. 200 EUR bis ....

Hersteller bieten Produkte für unterschidlich(st)e Anwendungsbereiche. 

Ausgewachsene Orchesterbibliotheken
Preise: zum Teil über 10.000 EUR

Millionen von Samples mit allen erdenklichen Artikulation.

Die Sounds der High-Level Filmkomponisten
nicht auf dem freien Markt erhältlich

Top-Filmcomposer schließen sich zu Konsortien zusammen und lassen eigene Bibliotheken entwickeln. Der Vorteil für die Komponisten - ihre Sounds bekommt man nur in ihren Produktionen zu hören. Dies ist keine Massenware.

Hinweis: hier geht es zunächst um die reinen Samples, so wie sie von den Herstellern angeboten werden. Auf dem Markt gibt es eine breite Palette an Sound Libraries, die ganz unterschiedliche Intentionen haben: das reicht vom schlichten Einzelinstrument über möglichst handliche Pakete mit den gängigen Artikulationen hin zu Bibliotheken mit typischem Hollywoodsound oder auf Scoring Stages natürlich aufgenommenen Orchesterinstrumenten, Pakete mit außergewöhnlichen Spielweisen bis hin zu möglichst perfekt aufgenommenen Sounds.

Die Umfragen ergaben, dass die Auswahl einzelner Instrumente oder ganzer Bibliotheken vom persönlichen Geschmack des Komponisten oder dem Auftrag samt Regisseur abhängt. Und über Geschmack lässt sich streiten!


"... I know what it is going to sound like in my head – a DAW rarely sounds like a real orchestra unless one spends a lot of time really working on each individual note..."

Rund 75% der befragten Komponisten gaben an, dass sie sich in der Instrumentationslehre auskennen und dass es ihnen wichtig ist, wie realistisch die Klänge sind. 

Die Wunschausstattungen von Sound-Libraries gehen aber laut Umfrage weit auseinander: sie reichen von „so einfach und gutklingend wie möglich“ bis „ungeglätteter" Sound, weg vom "Hollywood Einheitsbrei“.

Viele der befragten TV- und Filmkomponisten geben sich mit angebotenen Standardsounds nicht mehr zufrieden. Der Wunsch nach individuellen Klängen und ausgefallenen Spieltechniken wächst. 

Einige Hersteller haben bereits darauf reagiert. Es gibt aber auch Komponisten, die selbst produzierte Samples benutzen.

Als weitere Option wurde genannt, dass man sich für bestimmte Situationen Instrumente „selbst zusammenbauen“ kann.

Dabei werden Samples unterschiedlicher Hersteller kombiniert: z.B. Violinen pizzicato von Hersteller A, Violine legato von Hersteller B usw.

In der Praxis macht das wegen der unterschiedlichen Aufnahmetechniken bisweilen Schwierigkeiten: einige Komponisten berichteten über Probleme beim Layern von Instrumenten.

"... Because I am somewhat of an "old school" type composer, I do not use my DAW the way a lot of younger composers do. I find it unfortunate that the world of DAWS has had so much influence in the way composition is done. In other words, a lot of composers write what sounds good on a DAW rather than what is possible to do with live players. Prime example - before DAWS and throughout the history of orchestral music, the strings were the busiest section of the orchestra - many composers today only have sustained notes (footballs or goose eggs, as they are derogatorily called) in the strings and all the movement or propulsion is in the percussion and keyboards. The entire tradition of orchestral writing has changed, except for the old school guys like John Williams. Has the music gotten better or worse? I suppose that taste plays a role here, but I know that the musicians are pretty bored with the parts they have to play a lot of the time..."

„Eigentlich ist es egal, wie man arbeitet – Hauptsache, es klingt!“

Eine Notiz dazu aus dem Profilager:

„Too many times contemporary composers do not write to the strengths of the orchestra but rather to the strength of their samples.” 

Über die Hälfte der Befragten durchsuchte die ihnen zur Verfügung stehenden Sound Libraries zunächst nach den geeigneten Klängen für eine spezielle Situation. So werden gerne einmal fertige melodische Linien mit verschiedenen Sounds „durchprobiert“, anstatt dass umgekehrt für ein speziell ausgewähltes Instrument eine Melodielinie gestaltet wird. Von Dozenten im Filmscoringbereich kommt da gelegentlich der Begriff „mangelndes Vorstellungsvermögen“. Es gibt auch Gegenargumente, die besagen, dass man gerade beim Stöbern unerwartet auf die idealen Klänge stoßen kann. Letztlich hängt es auch davon ab, welche Bibliotheken ein Komponist zur Verfügung hat und wieviel Zeit er zum Suchen einplant.


Wie wird Musik eingegeben?

Bei Videoportalen wie YouTube oder Vimeo findet man eine große Zahl an Tutorials zu unterschiedlichsten Arbeitsprozessen während der Musikproduktion; darunter sind viele hilfreiche Beiträge von Usern, aber auch Videos „selbsternannter“ Spezialisten. Der Informationsgehalt schwankt dabei sehr stark! (Große) Hersteller bieten eigene Channels mit Produktvideos, aber auch Anleitungen für bestimmte Szenarien. Trotz Suchfunktion dauert es oft einige Zeit, bis man brauchbares Material gefunden hat. Weiterhin bieten Lernplattformen für FilmScoring, wie z.B. ThinkSpaceEducation parallel zu ihren kostenpflichtigen Angeboten zahlreiche Videos, Tutorials und Interviews. Außerdem gibt es E-Learning-Anbieter wie z.B. Lynda, die mehrstündige Kurse zur Arbeit mit bestimmten Produkten anbieten bzw. übergeordnete Themen wie „Editing and Mixing“ behandeln. Diese Angebote sind für viele Hochschulen kostenlos. Ansonsten kann man sich über einen „free trial“ Zugang über das Angebot informieren.
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Methode 1

Ich lege für jede benötigte Artikulation eine eigene Spur an (z.B. legato | staccato | pizzicato usw.) und spiele die Musik mit dem MIDI-Keyboard ein.
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Methode 2

Ich spiele die Musik mit dem MIDI-Keyboard ein; keyswitches füge ich nachträglich im MIDI Editor oder Score Editor hinzu.
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Methode 3

Ich spiele die Musik mit dem MIDI-Keyboard ein (realtime oder step-by-step), wobei eine Hand die entsprechenden keyswitches spielt.
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Methode 4

Ich spiele die Musik mit dem MIDI-Keyboard ein und bearbeite die Spielweisen anschließend mit Hilfe von Expression Maps im MIDI Editor.
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Methode 5

Ich spiele in realtime mit der dominanten Artikulation ein und schreibe eine CC Automation für die Artikulationswechsel in der Instrumentenspur | Eine Mischung aus verschiedenen Spuren, z.B. 1. long, 2. short und dort via Keyswitches zwischen verschiedenen Artikulationen, die Musik zeichne ich mit der Maus ein | Ich spiele die Musik inkl. Artikulationswechsel und Controller-Fahrten soweit möglich live ein.
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Methode 6

Ich spiele die Musik mit dem MIDI-Keyboard ein und bearbeite die Spielweisen anschließend mit Hilfe von Expression Maps im Score Editor.

Expression Maps, Keyswitches und Co.

Eine von mehreren Möglichkeiten

Die beste Methode ist ...?

Hinweis: Expression Maps sind eine Technologie von Steinberg®. Nicht alle Beteiligten benutzten diese Marke. Die Technologie wurde aber von einigen Befragten innerhalb der von ihnen favorisierten Produkte vermisst. 

Die Befragten konnten in weiteren Textfeldern Kommentare zur Zusammenarbeit zwischen Softwareinstrumenten und DAWs geben. Unabhängig vom gewählten Betriebssystem oder der favorisierten DAW kamen sehr differenzierte Antworten heraus. Da es bei diesem Projekt nicht um die Bewertung von Produkten geht, wird auf eine Veröffentlichung von Details verzichtet. Stichproben ergaben, dass die häufigsten Kritikpunkte oder Wünsche für künftige Versionen auch in den jeweiligen Userforen gelistet sind.

Expression Maps: pro und contra 

aus Sicht von Komponisten und Kursleitern im FilmScorng-Bereich

"Die Maps sind oft nicht sauber programmiert oder man verwendet eine DAW, die das nicht unterstützt (z.B. Logic, Pro Tools, Studio One etc.). Viele Hersteller verzichten (leider) auch auf das aktuelle VST3 Format; hier wäre es möglich, automatisch Maps aus einem geladenen Instrument zu extrahieren."

"Alle Hilfen, alle Automatismen, alle "Dinge" die immer wieder gleich ablaufen, sind Musikkiller. Es liegt wohl an unserer Zeit, dass man alles schnell tun will."

"Bei meinen Produktionen mit Samples gibt es keinen Ton, der nicht mit der Maus irgendeine kleine Veränderung gegenüber dem Vorhergehenden erfährt - keine Wiederholung mit copy & paste. Dies unterscheidet auch Profi-Produktionen von anderen."

"Das Ganze hängt damit zusammen, dass weder Expression Maps noch irgendetwas anderes einem die Arbeit der eigentlichen musikalischen Gestaltung abnehmen können. Die beste DAW und die beste Sample Library wird für einen genauso wenig Musik machen, wie sich der hochwertigste Steinway-Flügel von selbst spielen wird."

“Die Idee dahinter ist gut; aber das Arbeiten im Keyeditor oder Notationseditor ist noch nicht ausgereift und manchmal sehr unübersichtlich... Es gibt nicht zu allen Libraries passende Maps. Ich arbeite meistens mit separaten Tracks.”

„Die grundsätzliche Technik der Expression Maps ist ausgereift, aber leider kein Standard geworden...“

„Hier müssten die Hersteller virtueller Instrumente für eine bessere Anpassung sorgen...“

„Ein wirklich nächster Schritt wird wohl sein, Algorithmen zu konstruieren, welche die Sample-Wahl und Bearbeitung größtenteils schon mal sehr menschlich umsetzen...“

"Um ehrlich zu sein, bin ich froh, dass es keine absolute Standardisierung gibt. Das würde zu einem Einheitsbrei führen, der die "Gesetze" des echten Orchesters aushebelt und musikalischen Unfug legitimieren würde..."

Keyswitches

Keyswitches dienen zum Wechsel zwischen Artikulationen. Nicht alle Befragten favorisierten die gleichzeitige Eingabe der Keyswitches beim Einspielen der Musik. Dafür wurden unterschiedliche Gründe genannt, die z.B. auch mit dem Umfang des Eingabegeräts oder Position und Aufteilung der Keyswitches zu tun hatten. Auch wurde öfter bemängelt, dass die Tastenbelegung sehr unterschiedlich ausfällt, manchmal sogar innerhalb der gleichen Library. Manche Befragten wünschten sich flexible Tastaturbelegung. Wenn mit Keyswitches gearbeitet wurde, wurde die nachträgliche Eingabe per Tastatur oder Maus von den jeweiligen Befragten bevorzugt.

Keyswitches: pro und contra

aus Sicht von Komponisten, Kursleitern und Herstellern

Bei den Umfragen wurden mehr Kritikpunkte als positive Bewertungen aufgeführt.
Das sagt aber nichts über die Häufigkeit der Verwendung in der Praxis aus.

pro:

"Zum Ausprobieren der Artikulationen eines Instruments ist dies grundsätzlich eine beliebte Methode, vor allem weil man keine extra Tracks anlegen muss. Direkt über das Keyboard oder mit der Maus kann man so sehr rasch einen klanglich differenzierten Ablauf gestalten..." 

contra:

"Im Notationseditor der (meisten) DAWs werden Keyswitches angezeigt, was das Notenbild stark beeinträchtigt. Einige Hersteller haben das Problem bereits in den Griff bekommen." 

"... Beim Arbeiten mit Keyswitches ist kein Balancing zwischen Artikulationen möglich. Das kann zu sehr unnatürlichen Lautstärkeverhältnissen führen."

"Man kann in der Regel nur eine Artikulation pro Instrument spielen. Polyphone Keyswitches benötigen spezielle Tools für gängige Standardplayer. Diese sind erst für wenige Produkte verfügbar."

“Ich möchte für die Produktion gerne den Zugriff auf die Continous Controller (CC) haben, weil ich damit am meisten nachbearbeiten kann...”

Die Feinarbeit


Der eigentliche Produktionsprozess

Arbeiten mit Templates und Setups

Die "Hans-Zimmer-Methode"

Im Verlauf des Projekts tauchte der Name Hans Zimmer in unterschiedlichsten Zusammenhängen auf. Vor allem die für seine Arbeit typischen Templates flößen bei vielen Komponisten Respekt ein und ermuntern offensichtlich zur Nachahmung. Claas Tatje verfasste in der "Zeit" (Januar 2015) über das „Vampir am Mischpult“ einen Artikel über Zimmers Filmmusik-Unternehmen [zum Artikel].


Die Arbeit mit Templates, bestehend aus mehreren Tausend (!) Tracks, ist mit aktuellen DAWs möglich und heute nicht ungewöhnlich. Bei den Umfragen und Interviews spielten die Einrichtung sowie das Arbeiten innerhalb der Templates aus Sicht der Komponisten eine wichtige Rolle. Videos und Tutorials (zu finden z.B. bei YouTube unter dem Suchbegriff „orchestra template“) zeigen gerne, wie „einfach“ das in der Praxis zu realisieren ist. Allerdings zeigte die Anzahl und Länge der Kommentare der Berufskomponisten, dass dieses Thema sehr viel Einarbeitung und Erfahrung in Anspruch nimmt. Nicht selten holen sich Komponisten professionellen Rat von Spezialisten oder lassen sich Templates für ihre Zwecke erstellen. Auf dem Markt gibt es Tutoren oder kleine Unternehmen, die sich auf diese Thematik spezialisiert haben und Filmkomponisten viel kostbare Zeit ersparen.


Marc Jovani verfasste auf der Seite von www.cinematiccomposing.com einen Beitrag zu diesem Thema [zum Artikel].



Wie behält man den Überblick?

"Ordnung ist das halbe Leben!"

Wer viele Tracks benötigt, muss den Überblick über das große Ganze behalten. Ein drei- bis vierstimmiger Instrumentalsatz verteilt sich schnell über ein Vielfaches an Spuren. Die Hersteller der DAWs liefern immer wieder neue Features und optimieren damit den Workflow. Allerdings nutzen die besten Suchoptionen einer DAW wenig, wenn z.B. die Spurbezeichnungen vom User unsystematisch angelegt sind oder ggf. nach den Bezeichnungen von Samples erfolgen.

„Ordnung ist das halbe Leben“. Wer einen Kurs zum Thema „Mixing & Producing“ besucht, wird dies in einer der ersten Sitzungen erfahren.


Interviews mit Anwendern zeigten, dass es viele unterschiedliche Varianten in der Arbeitsweise gibt. Deswegen wurde bei den Umfragen auch darauf verzichtet, einen typischen Workflow zu beschreiben.

Ursound vs. mixing & editing

Ursound
vs.
mixing & editing

Wieviel soll / kann / darf am reinen Sample herumgebastelt werden?

Hersteller von Sound Libraries investieren viel Geld in die Produktion ihrer Samples. Sie stellen den Musikschaffenden ein Ausgangsmaterial zur Verfügung, das man sowohl in seiner Urform benutzen kann, aber auch in modifizierter Form durch Einsatz der dazugehörigen Player.

Je nach Player-Architektur oder weiteren aufgesetzten Tools kann über MIDI-Controller das Verhalten der Klänge beeinflusst werden – „im Extremfall bis zur Unkenntlichkeit“.


Ein Studioleiter schrieb, dass in der Anwendung der virtuellen Instrumente an sich keine Gefahr bestehe. Die Gefahr besteht darin, dass oft geglaubt wird, der bloße Einsatz der virtuellen Instrumente kann musikalische Kompetenzen, Wissen und Empfindlichkeit ersetzen. Dem ist nicht so!

Aus dem Studiobereich wurde auch bemängelt, dass leider viel zu häufig ohne eigentliches technisches Wissen an den aufwändig produzierten Klängen herumgebastelt wird.


„Die Produktionsarbeit mit diesen Tools ist in erster Linie musikalische Arbeit und sie setzt dementsprechend musikalisches Können voraus… Ohne dieser Grundvoraussetzung ist alle Technik umsonst.“

"Die Klangvorstellung kann soweit gehen, dass eine Orchestration gar nicht farbig erscheinen soll, sondern ganz im Gegenteil: "kahl und farblos". Das hängt vom konkret gewünschten klanglich-expressiven Charakter eines Stücks ab. „Möglichst kahl und farblos“ kann dementsprechend bei Gelegenheit genau das Richtige sein, wie „möglichst farbig“ bei Gelegenheit ganz daneben sein kann." [Komponist, Arrangeur & Dozent]

„Man sollte stets darauf bedacht sein, neue Farben zu kreieren und eine eigene Duftmarke zu hinterlassen… Ansonsten versinkt man im Einheitsbrei.“ 

„Allerdings sollten Komponisten und Arrangeure immer an ihrer persönlichen Klangvorstellung arbeiten. Wenn diese verkümmert oder verloren geht, nutzt auch der Einsatz von virtuellen Instrumenten nichts.“ 

know-how!

Die Schwierigkeit bei der Produktion liegt am generellen Klangverhalten von Instrumenten:
je kürzer die Klanginformation ist, desto realistischer ist heute meist schon das Ergebnis. Aber das ist bei langen Klängen oder Klangflächen anders: Gründe dafür sind z.B. variables Verhalten der Dynamik, feine Änderungen im Vibrato usw. Hier kommen die Vorteile der DAWs zum Zug. Größerer Aufwand bei der Produktion ist notwendig, je langsamer und fluktuierender die Musik ist, und je exponierter z.B. Streicher besonders im Solobereich sind.

"Wer mit Samples möglichst nahe der Realität Musik machen will, für den sind Kenntnisse über die eingesetzten Musikinstrumente unumgänglich. Meine Empfehlung ist jeweils, mindestens je eine Lektion bei einem Streicher, einem Holzbläser und einem Blechbläser zu besuchen. Dort sollte der Profi die wichtigsten Artikulationen spielen und über die Schwierigkeiten sprechen. So lernt man wenigstens, dass eine richtige Violine kein gelooptes [Material] spielen kann [oder] dass das Blasinstrument kein unendliches Legato spielen kann, ohne mal zu atmen." [Studioleiter]

"Es soll anders klingen als bei den anderen..."

Die Suche nach dem persönlichen Sound?

„Gelegentlich kommt noch [der] Compressor ins Spiel, da die Industrie ein Lautheit-Level verlangt: unter einer bestimmten Lautstärke geht nichts – sonst schaltet der Hörer oder Zuschauer ab oder um."

„Acoustic orchestras do not blend the same way that live players do. Techniques such as having a low chord in the low brass doubled with the low strings sounds glorious in a live setting and not so great using samples. The way one has to orchestrate an electronic demo and then re-orchestrate for a live ensemble are similar but not exactly the same. In some instances they can be quite different.“

„Durchsetzungsvermögen, Hierarchie und Position der Instrumente müssen oftmals "angepasst" werden. Erst danach sind Abweichungen problemlos möglich." 

„Ganz im Sinne des Regisseurs wird die Musik dann in Mainstream-Manier produziert oder eben auch einmal vollkommen ausgefallen.“

Genauso wie TV- und Filmkomponisten eine Idee oder ein Konzept für die Musik zum Film entwickeln, suchen und sammeln sie nach Sounds und Samples, die zum Stil ihrer Musik und der Produktion passen. Nicht selten werden deswegen auch eigene Sounds entwickelt.

samples ... samples ...

Wie findet man seine persönliche Handschrift?

Nicht ganz grundlos präsentieren Samplehersteller gerne Demos mit eindrucksvoller Musik z.B. zu Actionszenen, Drama oder Fantasy. Gerne werden solche (oft aufwändig produzierten) Demos als Basis für eigene Projekte verwendet – was zunächst nicht verwerflich ist. Allerdings ist schon recht auffällig, dass man bestimmte Orchestrationen immer und immer wieder in leichten Abwandlungen zu hören bekommt. Nicht ganz unschuldig an diesen Stereotypen sind auch die Pakete mit fertigen Sequenzen für Streicher, Bläser oder Percussion, die jede Kreativität ausbremsen und deren Möglichkeiten sich bald erschöpfen. Zum Lernen oder für Anfänger sind diese Produkte hilfreich – für Profis eher nicht.

Gerne demonstrieren Samplehersteller, dass man mit ihren Produkten „sogar“ klassische Kompositionen nachbauen kann. Im Klartext: bei den meisten Anbietern geht diese Absicht gehörig daneben. Entweder wurde ein für die Samplebibliothek ungeeignetes Werk ausgesucht oder die Produktion ist aus unterschiedlichsten Gründen misslungen.


Die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, sich in Konkurrenz z.B. zu einer CD-Aufnahme der Berliner Philharmoniker zu stellen, wird innerhalb dieses Projekts nicht diskutiert!.


Oft wird auch übersehen, dass recht realistisch klingende Produktionen einen ungeheuren Arbeitsaufwand erfordern. Darüber findet man aber auf den Seiten mit Demosongs so gut wie keine Informationen.

Ein Dozent im FilmScoring-Bereich berichtete, dass es hier um Instrumente geht, die man auch erst erlernen muss.

Man muss genauso mit ihnen üben, um gut klingende Ergebnisse zu bekommen. Um eine wirklich gut klingende Sololinie zu schreiben braucht man sicher einige Jahre Einarbeitungszeit und dann eine Menge an dabei gemachten Erfahrungen. Im Bereich der Demosongs verschiedener Libraries gibt seiner Ansicht nach verschiedene Qualitätskategorien: von grotten schlecht (Leute die eigentlich kaum etwas davon verstehen oder totale Anfänger), dann average mockups (einigermaßen musikalisch ausgearbeitete Demos), dann ein schon sehr hochwertiger Bereich, bei dem auch die produktionstechnischen Fähigkeiten positiv sichtbar sind und zuletzt der absolute High End Bereich, wo im Double Blind Test selbst Experten (Musiker und Produzenten) passen müssen. Das setzt hohes Maß an Vorerfahrung voraus.

„Ohne Equalizing, entsprechende Platzierung der Instrumente, ohne Performance Shaping nutzt die beste DAW nicht viel. Das muss man erst gelernt haben – diese Arbeit nehmen einem die Programme nicht automatisch ab.“

Was eignet sich zum Editieren?
Samples verschiedener Hersteller sind sehr unterschiedlich aufgenommen. Es gibt Streichersounds, die klingen im Rohformat „brottrocken“ und absolut „mager“. Für das Marketing ist das erst einmal abschreckend. Für die weitere Bearbeitung stellt sich das aber rasch als Vorteil heraus. Denn der umgekehrte Fall, zu „nasse“ Samples lassen sich in vielerlei Hinsicht schlecht nachbearbeiten.
Das hat aber immer mit Geschmack des Komponisten & Producer zu tun, der sich die Sounds auswählt. 

Wieviel soll, kann, darf man herumbasteln?

Wenn man es beherrscht, darf man das natürlich machen. Denn erst dadurch wird der Klang individuell. Kein Komponist muss sich rechtfertigen, warum er seine Streichersamples mit synthetischen Klängen überlagert.

Wenn man allerdings versucht den Klang eines klassischen Symphonieorchesters nachzuahmen, wäre es sicher sinnvoll, sich an dessen Klangästhetik zu orientieren.

Und der Experte wird vielleicht schmunzeln, wenn im Fortissimo-Tutti urplötzlich Streicherflageoletts die gleiche Intensität wie Trompeten haben – das geht eben nur im virtuellen Orchester.

Resümee | Tipps aus der Praxis

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